DSW-Journal

Wissenschaftliche Weiterbildung vor dem Durchbruch?

Die wissenschaftliche Weiterbildung in Deutschland steht vor dem großen Durchbruch: So die These von Autor Klaus Heimann, der für die neue Ausgabe 2/2019 des DSW-Journals des Deutschen Studentenwerks Theorie und Praxis der wissenschaftlichen Weiterbildung analysiert hat.

Heimann begleitete im Auftrag des DSW-Journals unter anderem Weiterbildungs-Studierende in Bochum und München; er schildert die ambitionierten Pläne der privaten FOM-Hochschule oder den Erwartungsdruck der Wirtschaft an die Hochschulen in Baden-Württemberg. Die Datenlage indes sei mehr als dünn, klagt Heimann – und recherchierte selbst.

In Bochum zeigt er am Beispiel der „Akademie“ der Ruhr-Universität Bochum (RUB), was Führungskräfte aus Unternehmen oder öffentlichen Hand motiviert, berufsbegleitend einen Masterstudiengang zu belegen. Die „RUB-Akademie“ schaffe mit 300 Veranstaltungen und 400 Weiterbildung-Studierenden im Jahr die schwarze Null, so Heimann – mit Studiengebühren von mehr als 15.000 Euro pro Weiterbildungs-Studiengang.

Die Psychologieprofessorin Gabriele Vierzigmann der Hochschule München, gleichzeitig Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium (DGWF), stößt sich an der politischen Vorgabe in den Länder-Hochschulgesetzen, dass die Hochschulen die Kosten für wissenschaftliche Weiterbildung auf die Studierenden abwälzen müssen. Sie sagt: „Für mich gehört die wissenschaftliche Weiterbildung zum öffentlichen Bildungsauftrag und ist kein kommerzielles Geschäftsmodell.“

Prof. Dr. Burghard Hermeier, Rektor der privaten FOM Hochschule für Oekonomie & Management, hat den Markt genau sondiert; er sagt, die wissenschaftliche Weiterbildung sei „ausgesprochen unstrukturiert“. Es gebe Angebote von einem halben Tag bis zu einem Jahr, mal mit ECTS-Punkten, mal ohne. Davon wolle sich die FOM Hochschule, die auf berufsbegleitende Studiengänge spezialisiert ist, abgrenzen und in Zukunft anspruchsvolle Hochschulzertifikate nach dem Schweizer Vorbild der „Certificates of Advanced Studies“ anbieten.

Das persönliche Fazit von Autor Klaus Heimann im DSW-Journal 2/2019: Wenn die staatlichen Hochschulen es hinbekämen, die Wissenschaftlich-keit ihrer Weiterbildungsangebote zu garantieren, stehe die wissenschaftliche Weiterbildung vor ihrem Durchbruch. Sie könnte zum dritten Standbein der staatlichen Hochschulen avancieren, neben Forschung und grundständiger Lehre.

Wissenschaftliche Weiterbildung in Deutschland auf den Seiten 18 bis 25 des am Ende dieser Seite eingestellten Downloads:

Weitere Themen im DSW-Journal 2/2019:

  • „Forschung richtet wenig aus, wenn sein nicht vermittelt wird“: Die Wissenschaftsjournalistin und Chemikerin Mai Thi Ngyuen-Kim im Interview
  • „Wir brauchen wieder Bildungsoptimismus“: Die ehemalige Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) im Interview
  • Unkonventioneller Netzwerker: unterwegs in Berlin und Stuttgart mit dem Bildungspolitiker Stefan Kaufmann, CDU
  • Die Psychologie-Studentin als Kriegsfürstin, der Physik-Student als Drachentöter: studentisches Theater in Würzburg
  • Eine Prise Macron, eine Prise Merkel – und fertig wäre das Modell für europäische Studentenwerke, findet Fritz Berger
  • Germany’s Next Rechnungswesen: im Keller mit Controller und Buchhalterinnen vom Studentenwerk Leipzig
  • Die „Do-it-yourself-Mensa“ des Studentenwerks Erlangen-Nürnberg bringt Studierende ins Schwitzen
  • 50 Jahre Service und Führungskultur: Seezeit Studierendenwerk Bodensee
  • „Mehr Exzellenz, bitte“: DSW-Präsident Rolf-Dieter Postlep fordert ein breiteres Verständnis von Exzellenz im Studium
01.07.2019