DSW-Journal

Sommer, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes: „Hochschulräte plural besetzen!“

 
Berlin, 20. Juni 2011. Michael Sommer, der Bundesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), sieht deutliche Tendenzen der Privatisierung und Entdemokratisierung an Deutschlands Hochschulen. In der neuen Ausgabe des „DSW-Journal“, des Magazins des Deutschen Studentenwerks (DSW), fordert er, die Hochschulen stärker in die Gesellschaft zu integrieren. 
 
Er sei „der festen Überzeugung, dass der Staat den Rahmen setzen muss.“ Die Hochschulen dürften „in keinem Fall der verlängerte Arm von Wirtschaftsinteressen sein“, sagt Sommer. „Ich sage: keine uneingeschränkte Vermarktung des Hochschulwesens“. 
 
Sommer betont im Interview, man müsse die Demokratiefrage an den Hochschulen neu stellen. „Die Deregulierung hat doch in der Vergangenheit oft zu nicht viel mehr geführt, als zu einer Konzentration der Entscheidungskompetenzen an der Spitze der Hochschulen“, kritisiert er. Stattdessen schwebt ihm „eine kluge Mischung“ aus Mitbestimmung der gewählten Gremien und „neuen Formen der Partizipation“ vor, die alle Universitätsangehörigen, aber auch gesellschaftliche Vertreter stärker einbezieht. Vor allem seien die Hochschulräte pluraler zu besetzen, in ihnen müssten auch die Gewerkschaften und die Kirchen vertreten sein.
 
Gefragt, wie der DGB die von ihm geforderten 500.000 zusätzlichen Studienplätze finanzieren wolle, antwortet Sommer dem DSW-Journal, durch die „verfassungskonforme Wiedereinführung der Vermögenssteuer“.
 
Sommer sieht eine klare „Tendenz der Privatisierung des Bildungswesens“, die er für „katastrophal und falsch“ hält. „Das fängt an mit privaten Kindergärten und Kitas und es hört mit privaten Elite-Hochschulen noch lange nicht auf. Ich werde mich nie damit abfinden, dass die Kinder der Spekulanten an privaten Hochschulen, die von Spekulanten finanziert werden, zu neuen Spekulanten erzogen werden“, so Sommer.
 
Der DGB-Chef findet, bei der Öffnung der Hochschulen für beruflich Qualifizierte seien die „Kultusminister nicht mutig genug“ gewesen. Er sagt: „Jede abgeschlossene Berufsbildung muss den Zugang zur Hochschule eröffnen.“ Er halte es für ungerecht, „dass jemand, der eine Berufsausbildung oder berufspraktisch Erfahrung hat oder sich möglicherweise im Beruf weiterqualifiziert hat, schlechter qualifiziert sein soll als jemand, der sein Abitur mit der Note 3,2 abgeschlossen hat.“
 

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20.06.2011

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