Studienfinanzierung

Die neuen BAföG-Änderungen

Die Bundesregierung will beim BAföG eine Trendwende erreichen: Bis Herbst 2021 sollen bis zu 100.000 mehr Schüler/innen und Studierende BAföG bekommen.

Wer bisher keine BAföG-Förderung erhalten hat, könnte aufgrund der Anhebungen ab dem Wintersemester 2019/2020 BAföG erhalten: Ausprobieren und vorher einen BAföG-Antrag stellen!

Was wurde beschlossen?

Anhebung der BAföG-(Eltern)Einkommensfreibeträge

  • zum Herbst 2019 um 7 %
  • zum Herbst 2020 um 3 %
  • zum Herbst 2021 um 6 %

Hinweis: Die Elternfreibeträge sind je nach Familienkonstellation unterschiedlich. Nutzen Sie daher BAföG-Rechner, z. B. https://www.studentenwerk-goettingen.de/studien-finanzierung/bafoeg-rech...

Übrigens: Weiterhin bleiben bei Studierenden 450-Euro-Minijobs auf das BAföG anrechnungsfrei.

Anhebung der BAföG-Vermögensfreibeträge

Vermögensfreibeträge

§ 29 BAföG

Auszubildende selbst

7.500 € -> Herbst 2020: 8.200 €

Ehegatten/Lebenspartner

2.100 € -> Herbst 2020: 2.300 €

je Kind

je 2.100 € -> Herbst 2020: je 2.300 €

 
Anhebung der BAföG-Bedarfssätze
  • zum Herbst 2019 um 5 % (dabei auswärtiger Unterkunftsbedarf von 250 € auf 325 €)
  • zum Herbst 2020 um 2 %
  • Anhebung der BAföG-Kranken- und Pflegeversicherungszuschläge zum Herbst 2019 – auch Einführung von BAföG-Kranken- und Pflegeversicherungszuschlägen für Ü30-Jährige
Unterstützung der Vereinbarkeit von Familie und Studium
  • Anhebung des BAföG-Kinderbetreuungszuschlags ab Herbst 2019 auf 140 € und ab Herbst 2020 auf 150 € je Kind bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres (zurzeit: 130 € je Kind bis zur Vollendung des 10. Lebensjahres)
  • Berücksichtigung der Pflege-/Betreuungszeiten von eigenen Kindern bis zum vollendeten 14. Lebensjahr (vorher: bis zum vollendeten 10. Lebensjahr) als Grund für
    - das Überschreiten der BAföG-Altersgrenzen bei BA/MA-Studienbeginn
    - eine BAföG-Verlängerung bei Überschreitung der Regelstudienzeit und deswegen späterer Vorlage des BAföG-Leistungsnachweises
  • Berücksichtigung der häuslichen Pflege von nahen Angehörigen (mindestens Pflegegrad 3) bei einer Überschreitung der Regelstudienzeit
Ab (Neu)Bewilligungen Wintersemester 2019/2020 wird die BAföG-Förderungsart „verzinsliches BAföG-Bankdarlehen“ (KfW) durch „zinsloses BAföG-Volldarlehen“ (Staat) ersetzt. Das bedeutet: Keine Zinsen mehr! Dies betrifft Ausnahmefälle bei einer BAföG-Förderung über die Regelstudienzeit hinaus (z.B. Hilfe zum Studienabschluss).
 
Änderung der Rückzahlungsmodalitäten

  derzeit künftig

BAföG muss immer nur
zu einem kleinen
Teil zurück-gezahlt werden.

 

Die Hälfte der individuellen BAföG-Förderbeträge sind zinslose Darlehen.

 

Davon sind nur max. 10.000 € einkommensabhängig zurückzuzahlen.

 

 

Beispiel: Wer monatlich 735 € für ein Bachelor- und Master-Studium (5 Jahre) erhalten hat, hat 44.100 € Förderung erhalten und zahlt 10.000 € zurück – das ist weniger als 1/4!

Die Hälfte der individuellen BAföG-Förderbeträge sind zinslose Darlehen.

 

Maximal müssen 77 Monate lang 130 € pro Monat einkommensabhängig zurückgezahlt werden. Das entspricht einer Rückzahlungssumme von maximal 10.010 €.

 

Beispiel: Wer monatlich 861 € für ein Bachelor- und Master-Studium (Dauer insgesamt 5 Jahre) erhalten hat, hat 51.660 € Förderung erhalten und zahlt 10.010 € zurück – das ist weniger als 1/5!

Was bedeutet das konkret?

Ab Herbst 2019

BAföG-Bedarfssatz für Studierende

in Deutschland bzw. innerhalb der EU

nicht bei den Eltern wohnend

bei den Eltern wohnend

bis 25 Jahre

(beitragsfrei in der Krankenversicherung familienversichert; Ü25-Ausnahme: Verlängerung wegen freiwilliger Dienste)

744 €

 

 

474 €

Aufstockung des Unterkunftsbedarfs durch SGB II möglich

über 25 bis 30 Jahre

(eigene Krankenversicherungsbeiträge in der günstigen „Krankenversicherung der Studenten (KVdSt)“ und Pflegeversicherungsbeiträge)

853 €

 

 

583 €

 

 

über 30 Jahre oder ab dem 14. Fachsemester

(freiwillige gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung)

maximal 933 €

 

maximal 663 €

 

Studierende mit Kind: plus 140 € pauschaler Kinderbetreuungszuschlag
 

Beispiel für miteinander verheiratete Eltern, die nicht getrennt leben und ein auswärts wohnendes studierendes Kind unter 25 Jahre haben:
• Die maximale BAföG-Förderung  von monatlich 744 € gibt es bis zu einem monatlichen Nettoeinkommen von 1.835 €.
• Ab einem monatlichen Nettoeinkommen von 3.304 € gibt es keine BAföG-Förderung.
 

Ab Herbst 2020

BAföG-Bedarfssatz für Studierende

in Deutschland bzw. innerhalb der EU

nicht bei den Eltern wohnend

bei den Eltern wohnend

Bis 25 Jahre

(beitragsfrei in der Krankenversicherung familienversichert; Ü25-Ausnahme: Verlängerung wegen freiwilliger Dienste)

752 €

 

 

483 €

Aufstockung des Unterkunftsbedarfs durch SGB II möglich

Über 25 bis 30 Jahre

(eigene Krankenversicherungsbeiträge in der günstigen „Krankenversicherung der Studenten (KVdSt)“ und Pflegeversicherungsbeiträge)

861 €

 

 

592 €

 

 

Über 30 Jahre bzw. 14. Fachsemester

(freiwillige gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung)

maximal 941 €

 

maximal 672 €

 

Studierende mit Kind: plus 150 € pauschaler Kinderbetreuungszuschlag

Der Deutsche Bundestag hat am 16.5.2019 dem Gesetzentwurf der Bundesregierung in einer geänderten Fassung zugestimmt. Das Gesetz soll zum Schuljahresbeginn 1.8.2019 in Kraft gesetzt sein. Für Studierende an Hochschulen gelten die Änderungen weitgehend ab Beginn des Wintersemesters 2019/2020. Für die Jahre 2019, 2020 und 2021 gelten zahlreiche Übergangsvorschriften.
 
Übrigens: Die BAföG-Anhebungen wirken sich unmittelbar auf die Förderung der beruflichen Bildung aus, nämlich auf das Aufstiegs-BAföG und die Berufsausbildungsbeihilfe.
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