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Hochschulpolitik

Anja Karliczek: „Wir dürfen nicht in Schubladen denken“

Im Interview mit dem DSW-Journal des Deutschen Studentenwerks (DSW) plädiert Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) dafür, berufliche und akademische Bildung nicht als Gegensatz zu begreifen. „Wir dürfen nicht immer in Schubladen denken“, mahnt, sie in der neuen Ausgabe 4/2018 des DSW-Journals und sagt: „Es geht nicht um ein Entweder-oder. Es geht um ein Sowohl-als-auch.“

Karliczek schwebt eine „Individualisierung der Weiterbildung“ vor, gleichzeitig auch eine Modularisierung, und sie erklärt, „viele dieser Weiterbildungsmodule könnten künftig auch von den Hochschulen kommen.“ Für die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung angekündigte „nationale Weiterbildungsstrategie“ werde das von ihr geleitete Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) einen Wettbewerb „für innovative Konzepte“ ausschreiben. Sie erklärt: „Wir wollen, dass sich auch die Hochschulen mit den Unternehmen zusammentun und gemeinsam Weiterbildungskonzepte entwickeln.“

Karliczek weiter: „Natürlich brauchen wir Leute, die nach dem Studium an den Universitäten und Forschungseinrichtungen bleiben, die sich dort der Wissenschaft widmen. Aber wenn ich 50 Prozent eines Jahrgangs an die Hochschulen bringe, können nicht 50 Prozent Forscher und Entwickler werden.  (…) Ein Großteil der Studierenden wird am Ende in Unternehmen arbeiten, und auch darauf müssen die Hochschulen sie vorbereiten.“

Vom DSW-Journal zum BAföG befragt, betont Karliczek: „Die Strukturen beim BAföG sind so, wie sie sind, schon sehr ausgefeilt.“ Sie verteidigt die Altersgrenze von 30 Jahren für den Beginn eines Studiums: „Mit dem BAföG fördern wir die Erstausbildung von der weiterführenden Schule bis zum Hochschulstudium, und dafür ist eine Altersgrenze von 30 Jahren ausreichend.“

„Wir nehmen sehr wohl grundsätzliche Änderungen in unserem Gesamtsystem von Finanzierungsinstrumenten vor, indem wir zum Beispiel das Aufstiegs-BAföG, das frühere Meister-BAföG, endlich gleichstellen mit der Ausbildungsförderung für die Studierenden.“ Sie wolle „das berufliche und das akademische BAföG gleichwertig gestalten“, so die Ministerin.
 

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04.12.2018