DruckversionPDF version
Studienfinanzierung

Unterhalt von den Eltern

Für die Finanzierung eines Studiums ist vor allem die Familie verantwortlich. Nur wenn ihre finanziellen Mittel nicht ausreichen, beteiligt sich der Staat an der Studienfinanzierung. Dann sollte unbedingt BAföG beantragt werden.

Pflicht der Eltern

Eltern sind - als Verwandte in gerader Linie - nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 1601 BGB) grundsätzlich verpflichtet, ihren volljährigen Kindern während einer Ausbildung, also auch während eines Studiums, Unterhalt zu zahlen. Der Gesetzgeber nimmt an, dass die "Kinder" neben ihrer Ausbildung nicht selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können.

Die Höhe des Unterhalts richtet sich allerdings nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Eltern, denen ein angemessener Betrag für das eigene Existenzminimum zugestanden wird. Die Ausbildung muss also wirtschaftlich zumutbar sein. Kindergeld und Steuerfreibeträge tragen dazu bei, dass Eltern den Unterhalt an ihre Kinder zahlen können.

Die Daten der 21. Sozialerhebung zeigen, dass im Sommersemester 2016 die Höhe der finanziellen Unterstützung durch die Eltern gegenüber dem Jahr 2012 angestiegen ist. So leisteten die Eltern pro Monat durchschnittlich 541 Euro in barer und/oder unbarer Form.

Hinweis: Sofern die Eltern keinen Unterhalt zahlen und die Ausbildung dadurch gefährdet ist, kann beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung (BAföG-Amt) ein Antrag auf Vorausleistung gestellt werden. Studierende sollen sich in diesem Fall unbedingt an ihr Studentenwerk am Hochschulort wenden!

Höhe des Unterhalts

Studierende, die nicht bei ihren Eltern wohnen, können in der Regel 735 Euro monatlich als Unterhalt von den Eltern verlangen. Das ist der Regelsatz der Düsseldorfer Tabelle (Stand: 2017), die das Oberlandesgericht Düsseldorf erstellt. Sie ist die anerkannteste Empfehlung zur Höhe des Unterhalts.

Zu den 735 Euro werden die Kosten für die Kranken- und Pflegeversicherung der Studierenden und eventuelle Studiengebühren hinzugerechnet. Voneinander getrennt lebende Eltern müssen den Gesamtbetrag im Verhältnis zu ihrem jeweiligen Einkommen zahlen.

Einkünfte (beispielsweise aus Erwerbstätigkeit), ein Erbe oder erspartes Geld der Studierenden mindern allerdings die Unterhaltspflicht der Eltern.

Die Eltern können den Unterhalt statt in Geld auch in Naturalien (Unterkunft und Nahrungsmittel) leisten (§ 1612 Absatz 2 BGB). Das kann auf Antrag des Kindes durch ein Gericht geändert werden.

Zeitraum

Eltern sind in der Regel nur bis zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss zur Zahlung von Unterhalt verpflichtet. Eine starre Altersgrenze existiert nicht. Die Studierenden sind frei in der Wahl ihres Studienfachs und können in begrenztem Umfang den Studienort und die Fachrichtung wechseln, ohne dass der Unterhaltsanspruch gegenüber ihren Eltern verfällt.

Im Gegenzug sind die Studierenden ihren Eltern gegenüber zu Informationen und Nachweisen über den Fortgang des Studiums verpflichtet. Das trifft auch zu, wenn zu einem Elternteil kein Kontakt mehr besteht oder nie bestand.

Achtung: Studierende müssen grundsätzlich zügig und zielorientiert studieren, um die Unterhaltsbelastungen der Eltern möglichst gering und kalkulierbar zu halten. Bei Verletzung dieser Obliegenheit kann sich der Unterhaltsanspruch gegenüber den Eltern verringern oder sogar entfallen.

Die Rechtsprechung hat bereits über sogenannte "Abitur-Lehre-Studium-Fälle" entschieden und entsprechende Lösungen entwickelt. Diese sind auf "Bachelor-Master-Konstellationen" übertragbar.

Seitenmenü: 
0