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Bildungspolitik

Zivildienst für alle, bundesweite Standards fürs Abitur, eine verpflichtende Zweitausbildung

Drei Köpfe, ein Thema: Bildung. In der neuen Ausgabe des DSW-Journals des Deutschen Studentenwerks (DSW) bestreiten Prof. Dr. Jutta Allmendinger, die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin, Prof. Dr. Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschafts-forschung und Prof. Dr. Ludger Wößmann, Leiter des ifo-Zentrums für Bildungsökonomik, einen Dreier-Bildungsgipfel zur Bundestagswahl.

Die Bildungssoziologin Allmendinger, der Ökonom Fratzscher und der  Bildungsforscher Wößmann entwickeln im DSW-Journal 2/2017 ihre eigenen bildungspolitischen Ideen.

Auf die Frage, was sie als neue Bundesbildungsministerin als erstes täte, antwortet Jutta Allmendinger, Kinder so lange wie möglich miteinander groß werden zu lassen, bis hin zu einem „verpflichtenden Zivildienst, für Männer und Frauen“. Allmendinger: „Wir brauchen wieder soziale Marktplätze, auf denen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft treffen können.“ Außerdem plädiert sie dafür, eine „zweite, verpflichtende Ausbildung“ zu etablieren: „Wir müssen uns davon verabschieden, dass eine Ausbildung im Leben reicht.“

Der Ökonom Marcel Fratzscher würde eine „Bildungsoffensive“ bei der frühkindlichen Bildung anstoßen. Dort müsse man vor allem ansetzen für mehr Chancengleichheit. Gleichzeitig sorgt er sich um Deutschlands wirtschaftliche Stärke, gerade in Zukunftsbranchen wie der Informations- und Kommunikationstechnologie. Hier hinke man hinterher, und in 10, 15 Jahren könnte Deutschland einen Teil seiner wirtschaftlichen Stärke eingebüßt haben könnte.

Der Bildungsökonom Ludger Wößmann glaubt nicht, dass es die eine „Golden Bullet“ gebe, mit der man alle Probleme im deutschen Bildungssystem lösen könne. Er plädiert für „deutschlandweit mehr vergleichbare Prüfungen, deutschlandweite Standards, die einfordern, was wo gelernt werden muss“. Er sagt: „…wir wissen ja gar nicht, was hinten herauskommt bei all den Reformen, die die Bildungspolitik in den 16 Bundesländern durchführt. Tatsächlich verhindert die Politik sogar Transparenz. Eigentlich bräuchten wir einen Staatsvertrag, in dem sich die Länder auf Offenlegung und bestimme Regeln zum Systemvergleich verpflichten.“

Weitere Themen im DSW-Journal 2/2017:

  • Wo bleibt der Hochschulsozialpakt? Die Bund-Länder-Programme der Wissenschaftspolitik in einer Infografik
  • Das Deutsche Studentenwerk fragt, die Bundestags-Parteien antworten
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28.06.2017

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