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Hochschulpolitik

Internationalisierung im Realitätscheck

Deutschland ist das fünftbeliebteste Studienland für mobile Studierende weltweit; die von der Politik für das Jahr 2020 gesetzte Zielmarke von 350.000 ausländischen Studierenden ist bereits heute erreicht – ein klarer Internationalisierungserfolg, also alles gut? Wer kommt an deutsche Hochschulen, und wie ergeht es ausländischen Studierenden hier in Zeiten von Fremdenfeindlichkeit und Rechts-populismus? Das DSW-Journal 1/2018 unterzieht die Internationalisierung dem Realitätscheck.

Für die neue Ausgabe des hochschulpolitischen Magazins des Deutschen Studentenwerks (DSW) zeigt Christine Prußky die Wirklichkeit hinter dem Schlagwort Internationalisierung. Sie recherchierte bei Wissenschaftsor-ganisa­tionen, der Politik, sprach mit Hochschulrektoren und ausländischen Studierenden selbst.

Beispiel Universität Magdeburg: 1.200 ausländische Studierende aus 106 Ländern studieren dort, 500 von ihnen kommen aus Indien. Der Verein „Magdeburg Indians“ betreut sie. Uni-Rektor Prof. Dr. Jens Strackeljan bekennt sich klar zur Internationalisierung. Die Schattenseite seines Engagements: Anfang des Jahres 2017 erhielt er Morddrohungen, sein Auto wurde manipuliert, er und seine Familie stehen unter Staatsschutz.

Ein krasser Einzelfall, wie die Analyse ansonsten zeigt. Grundsätzlich sehen sich Wissenschaft, Hochschulen und Austauschorganisationen bei der Internationalisierung auf „einem guten Weg“. Heidrun Tempel vom Auswärtigen Amt sagt, Hochschulen seien nach wie vor interkulturelle, sichere Orte.

Allerdings wird der Ruf nach einer Integrationsstrategie für die 360.000 ausländischen Studierenden immer lauter. Prof. Dr. Magret Wintermantel, die Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), fordert mit Nachdruck: „Wir brauchen dringend eine deutschlandweite Strategie zur Integration, Betreuung und Ausbildung ausländischer Studierender.“

Und Prof. Dr. Horst Hippler, der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) mahnt, man dürfe die Internationalisierung nicht allein nach schieren Zahlen bewerten. Viel wichtiger wäre laut Hippler, dass „die Hochschulen die Talente gewinnen, die sie suchen.“ Dafür würden „kluge Auswahlmechanismen, Studieneingangskonzepte und Betreuungs-programme“ benötigt.
 

Weitere Themen im DSW-Journal 1/2018:

  • „Die KMK muss eine größere Rolle spielen“: Interview mit Helmut Holter von der Linken, dem Präsidenten der Kultusministerkonferenz (KMK)
  • Bienen-Bildung: Was die Studierendenwerke Berlin und Trier sowie das Studentenwerk München für Bienen tun
  • Die Standfeste: Beate Schücking, die Rektorin der Universität Leipzig, im Porträt
  • „Ich stehe für eine moderne Bürgerlichkeit“: Diana Kinnert von der CDU antwortet auf 13 Fragen
  • Bernhard Pörksen: Die Wissenschaft muss umdenken, wenn sie gegen die digitale Desinformation bestehen will
  • „Hallo, ich bin der Neue“: Was den neuen DSW-Präsidenten Rolf-Dieter Postlep umtreibt
21.03.2018