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Sonderbericht zur 20. Sozialerhebung

Ausländische Studierende in Deutschland

Der Sonderbericht zu ausländischen Studierenden, die für ein Studium nach Deutschland gekommen sind, zeichnet ein genaues Bild der Studien- und Lebenssituation der aktuell 192.853 Bildungsausländer/innen in Deutschland.

Rund 1.000 ausländische Studierende haben sich aktiv an der Befragung im Sommersemester 2012 beteiligt. Die 20. Sozialerhebung ergab:

  • Deutschland ist als Studienland beliebter geworden. Für 61% der Bildungsausländer/innen war Deutschland das Studienland erster Wahl. In 2009 waren es noch 47%.
     
  • Die größte Motivation zum Studium nach Deutschland zu kommen, ist die Erwartung damit die eigenen Berufschancen zu verbessern und die deutschen Sprachkenntnisse zu verbessern.
     
  • 85% der Bildungsausländer/innen sind free-mover. Sie organisieren ihren Studienaufenthalt selbst und kommen unabhängig von einem Programm zum Studium nach Deutschland.
     
  • Die Zufriedenheit mit den vorhandenen Unterstützungsangeboten ist deutlich gestiegen. Beispielsweise: die Beratung und Informationen zum Aufenthaltsrecht nach Studienabschluss, die Informationen zur Studienfinanzierung, die Hilfe im Umgang mit Behörden und den Kommunikationsmöglichkeiten zu deutschen Studierenden.
    Auch die Anerkennung der vorhandenen Abschlüsse, der Vorbildung und die Zufriedenheit mit der Anerkennung haben sich deutlich verbessert.

Probleme

  • Die Zimmer- und Wohnungssuche ist für Bildungsausländer/innen das neue Problem Nummer eins. 42% haben damit (sehr) große Schwierigkeiten (in 2009: 31%).
     
  • Knapp danach folgen, wie in den Vorjahren und mit zum Teil steigender Tendenz, mit 41% der Kontakt zu deutschen Studierenden (in 2009: 37%), mit 41% die Orientierung im Studiensystem (in 2009: 40%) und mit 39% die Finanzierung von Studium/Lebensunterhalt (unverändert).
  • Zudem leicht gestiegen sind die Anteile der Studierenden, die (sehr) große Probleme bei der Bewältigung der Leistungsanforderungen im Studium, mit der Verständigung in deutscher Sprache und dem Kontakt zur Bevölkerung haben.

Herkunft

  • 75% der Bildungsausländer/innen stammen aus einem Herkunftsland mit hohem bzw. gehobenem Pro-Kopf-Einkommen (in 2009: 58%).
     
  • 25% stammen aus einem Land mit geringem Pro-Kopf-Einkommen - 16% weniger als in 2009. Dies ist teilweise durch die Neueinstufung von China als „upper middle income“-Staat bedingt. Es wurde von der Weltbank inzwischen aufgestuft und ist nicht mehr wie noch in 2009 ein Herkunftsland mit einem „lower middle income“.

Studienfinanzierung

  • Erstmals können mit 53% über die Hälfte der Studierenden auf den Unterhalt der Eltern zurückgreifen (in 2009: 44%). 52% bestreiten ihren Lebensunterhalt durch eigenen Verdienst (in 2009: 54%). 23% erhalten Stipendien (in 2009: 25%), überwiegend ein deutsches Stipendium. Die Einnahmen aus einer Finanzierungsquelle reichen häufig nicht aus, weswegen 54% zwei und mehr Finanzierungsquellen in Anspruch nehmen.
     
  • Bildungsausländer/innen verfügen im Schnitt über 749,- Euro/Monat und damit 115.- Euro weniger als einheimische Studierende (864.- Euro). Bildungsausländer/innen aus einkommensschwachen Herkunftsländern stehen nur 675.- Euro/Monat zur Verfügung.
     
  • 48% der ausländische Studierende jobben neben dem Studium. Für 78% ist dies zur Bestreitung des Lebensunterhalts unbedingt erforderlich.

Wohnsituation

  • 37% der ausländischen Studierenden wohnen in einem Studentenwohnheim.

Familienstand

  • 11% der ausländischen Studierenden haben ein Kind/Kinder, 17% sind verheiratet – bei den einheimischen Studierenden liegen die Quoten bei 5% mit Kind und bei 6% Verheirateten.

Der Sonderbericht ist Teil der aktuellen 20. Sozialerhebung. Die Studie ist die größte und traditionsreichste Studierendenbefragung in Deutschland, wird vom BMBF gefördert und vom DZHW (ehemals HIS) wissenschaftlich durchgeführt.